Gesamtstrategie

Hessischer Gesundheitspakt 3.0

Die Hessische Landesregierung ergreift gemeinsam mit den wesentlichen Akteurinnen und Akteuren im hessischen Gesundheitswesen und der Pflege die Initiative und hat 2018 im Rahmen des Hessischen Gesundheitspakts 3.0 unter anderem Maßnahmen zur Stärkung der ärztlichen Versorgung in ländlichen Räumen vereinbart (zur Gesamtstrategie siehe Hessenlink). Die Förderinstrumente greifen bereits früh im Medizin-Studium. Mit der Förderung von Famulatur-Abschnitten in Hausarztpraxen und im Öffentlichen Gesundheitsdienst, den Seminarangeboten des Kompetenzzentrums Weiterbildung Hessen sowie der Nachwuchskampagne der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen konnte das Image der Facharztgruppe in der Allgemeinmedizin gehoben und somit das Interesse des ärztlichen Nachwuchses gesteigert werden. Vergleichbare Aktivitäten für andere grundversorgende Facharztgruppen sind in Vorbereitung.

Über die vom Kompetenzzentrum Weiterbildung Hessen organisierten Verbünde konnte die Weiterbildungszeit verkürzt und eine perspektivische Arbeit in ländlichen Räume für die Ärztinnen und Ärzte attraktiver gestaltet werden. Das Land Hessen fördert zudem ein Leistungsmodul des Kompetenzzentrums Weiterbildung Hessen, das allen Landkreisen das Projekt Landpartie und sogenannte „Landtage“ anbietet. Damit wird den Landkreisen und Kommunen, den Ärztinnen und Ärzten sowie den Kliniken eine ganz neue Struktur der Zusammenarbeit angeboten, um hausärztlich tätige Ärztinnen und Ärzte zu werben.

Gerade ältere Menschen benötigen eine ganzheitliche, hochwertige und gut erreichbare medizinische Versorgung. Hierfür bedarf es, speziell in ländlichen Räumen, verstärkt integrierte und sektorenübergreifende Versorgungsformen, die Leistungen aus den Bereichen Medizin, Pflege und soziale Betreuung vernetzt anbieten. Das Land fördert solche innovativen Ansätze, wie beispielsweise lokale Gesundheitszentren, und den Einsatz von Gemeindepflegerinnen und -pflegern als dezentrale Anlaufstelle. Die ersten Gesundheitszentren konnten in der Stadt Oberzent (Odenwaldkreis), Sontra (Werra-Meißner-Kreis) und Breitscheid (Lahn-Dill-Kreis) erfolgreich in Betrieb genommen werden.

Mit dem zentralen Ziel einer nachhaltigen Fachkräftesicherung fördert das Land Hessen diverse Elemente zur Gewinnung und langfristigen Beschäftigung von Fachkräften aus dem In- und Ausland. Die Hebung und Nutzung inländischer Fachkräftepotenziale, die Stärkung der Beschäftigten in der Pflege und die Attraktivität der Arbeitgeber und der Arbeitsplätze in der Pflege, stehen hier ebenso im Zentrum der Bemühungen, wie die gezielte Gewinnung und Integration ausländischer Fachkräfte. Um Angebote vor Ort, zielgerichtet und hessenweit, einbetten zu können und somit internationale Pflege- und Gesundheitskräfte bestmöglich unterstützen zu können, wird im Laufe des Jahres 2021 der Aufbau des Pflegequalifizierungszentrums Hessen (PQZ Hessen) forciert. Kernaufgaben des PQZ Hessen werden die Unterstützung von Arbeitgebern, Belegschaften und internationalen Fachkräften ebenso wie die Angebots- und Nachfragekoordinierung zu Anpassungslehrgängen, Vorbereitungslehrgängen für die Eignungsprüfung und berufsbezogener Spracherwerb sein.

Daneben eröffnet die Digitalisierung des Gesundheitswesens eine große Chance, da sie bestehende Versorgungsangebote unterstützt, sehr schnell medizinisches Fachwissen zu den Menschen bringt und Distanzen überbrückt. Die neue Technik schafft zudem moderne und attraktive Arbeitsplätze für Fachkräfte besonders in den ländlichen Räumen. Daher wird die Digitalisierung des Gesundheitswesens zum Beispiel mit Telemedizin und E-Health gefördert.

Vom Studienwunsch bis in die Landarztpraxis

Eine zukunftsfeste und wohnortnahe, qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung ist eine der großen Zukunftsaufgaben. Viele Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner geben ihre Praxen altersbedingt auf und es gilt, Nachwuchs zu begeistern und neue Wege zur Sicherstellung einer hochwertigen medizinischen Versorgung zu beschreiten. Junge Menschen sollen über die Aufgaben der Ärztin und des Arztes in ländlichen Kommunen frühzeitig informiert und für diesen vielfältigen Beruf begeistert werden. Die Landesförderung umfasst daher sowohl Studienabschnitte (Famulaturförderung) wie auch die ersten Jahre des Berufslebens und den Übergang in die freiberufliche Tätigkeit.

Aufstockung der Medizinstudienplätze in Hessen

Hessen erhöht seine Kapazitäten bei der Ausbildung junger Ärztinnen und junger Ärzte und wird die 185 Teilstudienplätze an der Philipps-Universität Marburg sukzessive in Vollstudienplätze umwandeln. Die Philipps-Universität Marburg kooperiert hierfür mit dem Klinikum Fulda, das als Campus Fulda der Universitätsmedizin Marburg seit Ende 2014 Bestandteil der universitären Ausbildung von Humanmedizinerinnen und Humanmedizinern ist.

Beispiel Landarztquote

Bei der Landarztquote werden Medizin-Studienplätze für Bewerberinnen und Bewerber reserviert, die sich verpflichten, nach dem Abschluss eine bestimmte Zeit in Gegenden mit Hausärztemangel zu praktizieren. Ein bestimmter Prozentsatz der Medizinstudienplätze in Hessen sollen an Bewerberinnen und Bewerber gehen, die sich später in unterversorgten Gebieten als Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner niederlassen und dort zehn Jahre nach dem Studium tätig sind.

Beispiel Landpartie

Das Kompetenzzentrums Weiterbildung Hessen bietet allen Landkreisen das Projekt „Landpartie“ an. Das Projekt möchte Medizin-Studierende für den späteren Beruf der Landärztin und des Landarztes begeistern. Ab dem 5. Semester haben Studierende die Möglichkeit, im Rahmen von zwei- bis fünftägigen Praktika je Semester, die hausärztliche Medizin in ländlichen Regionen bereits während des Studiums intensiv zu erleben.

Beispiel Landtage

Seit Anfang 2018 bietet das Land Hessen allen Landkreisen und Kommunen die Finanzierung so genannter „Landtage“ an. Damit sollen Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung (ÄiW) zur Fachärztin Allgemeinmedizin; zum Facharzt Allgemeinmedizin die Möglichkeit gegeben werden, einen realistischen Einblick in das Leben und Arbeiten auf dem Land zu geben. Neben Vorträgen und Diskussionen sind auch Exkursionen Teil des Programms. An fast allen Orten werden kostenfreie Übernachtungen, Kinderbetreuung und ein Shuttle-Service vom nächstgelegenen Bahnhof angeboten.

Weiterführende Informationen

Hessisches Ministerium für Soziales und Integration

Hessischer Gesundheitspakt 3.0 für die Jahre 2019 – 2022(PDF)

 

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